»Nicht die Herkunft zählt, sondern das, was man kann«

Deniz Ağdaş

Deniz Ağdaş arbeitete in der Senatsverwaltung für  Integration, Arbeit und Soziales. Genauer beim Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration. Sie war dort stellvertretende Projektleiterin in der Koordination des IQ Netzwerks Berlin.

Das IQ Netzwerk Berlin setzt sich für bessere Chancen von Migrant*innen auf dem Arbeitsmarkt ein. Welche Aufgaben übernehmen Sie?

Meine Aufgaben sind recht vielfältig. Einerseits vertrete ich die Projektleiterin Wiebke Reyels, andererseits leite ich die Öffentlichkeitsarbeit. Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Kooperation mit Berliner Arbeitsagenturen und Jobcentern sowie die Organisation und Durchführung der Fachforen „Arbeitsmarkt und Migration“. Wir bieten auch interkulturelle Schulungen an für Mitarbeitende und Führungskräfte der Berliner Arbeitsagenturen und Jobcenter.

Welches Studium haben Sie absolviert?

Ich bin Literatur- und Medienwissenschaftlerin.

Wie verlief ihr Berufseinstieg in die Berliner Verwaltung?

Über die Bundesagentur für Arbeit (BA). Ein Freund hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass die BA Frauen mit Migrationshintergrund und interkultureller Kompetenz fördert. Ich habe mich beworben und im Jobcenter Spandau als Arbeitsvermittlerin und Migrationsbeauftragte gearbeitet. Dann wurde ich von dem Büro der Integrationsbeauftragten für die Tätigkeit im IQ Netzwerk Berlin angesprochen und habe mich dort beworben. Für den Zeitraum der Projekttätigkeit bin ich von der BA freigestellt.

Wie lange arbeiten Sie schon hier?

Seit Mai 2012.

Haben Sie verschiedene Arbeitsbereiche kennen gelernt?

Definitiv. Zum einen die Leitung des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit mit Einhaltung Corporate Design, Gestaltung von Werbemitteln, Auftragsvergaben, Veranstaltungsmanagement. Zum anderen die Koordination und Moderation der Teilprojekte im Netzwerk, den Gremien, der Kooperation mit den Berliner Arbeitsagenturen und Jobcentern als strategische Partner, Evaluation und Monitoring.

Was ist das besondere an der Tätigkeit in der Berliner Verwaltung? Wie „gestalten“ Sie Berlin?

Etwa 900.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben in Berlin, das sind fast 25 % der Bevölkerung. Diese Vielfalt bereichert unser Leben, stellt aber auch neue Anforderungen. Zum Beispiel in Bezug auf die Integration in den Arbeitsmarkt. Viele Eingewanderte haben keinen oder keinen anerkannten Berufsabschluss. Das IQ Netzwerk Berlin will als Teil des bundesweiten Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ die Arbeitsmarktsituation von Migrantinnen und Migranten verbessern. Es geht um die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen, berufsbezogenes Deutsch, Diversity Management, Existenzgründung und Qualifizierung. In diesem Sinne gestalte ich Berlin durch meine Arbeit.

Welche Aufstiegschancen sehen Sie für sich?

Mit der Einstellung auf diese Stelle befinde ich mich bereits im Prozess einer Personalentwicklung, das heißt ich habe damit eine Aufstiegschance bekommen. Außerdem gibt es ein gutes und vielfältiges Fortbildungsangebot der VAK, das ich als Mitarbeiterin des Senats in Anspruch nehmen kann. Was die Zukunft noch so bringen wird, weiß ich nicht. Ich lass mich überraschen, glaube aber, dass noch viele spannende Aufgaben auf mich warten im Öffentlichen Dienst.

Spielt Ihr Migrationshintergrund eine Rolle im Arbeitsalltag? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Mein Migrationshintergrund spielt aus meiner Sicht überhaupt keine Rolle im Arbeitsalltag. Und wenn, dann nur positiv, weil förderlich für die Arbeit, die ich gerade mache. Dafür ist eine gewisse interkulturelle Kompetenz unabdingbar. Obwohl es nicht gleich bedeuten muss, dass ich interkulturell kompetent bin, nur weil ich einen Migrationshintergrund habe. Nicht die Herkunft zählt, sondern was man kann und vor allem, ob es einem Spaß macht. Da ich meine Arbeit sehr wichtig finde, engagiere ich mich auch entsprechend. Im Kindergarten und in der Schule sah es allerdings ganz anders aus: Diskriminierungserfahrungen gehörten zum Alltag.

(Das Interview entstand 2014. Deniz Ağdaş arbeitet wieder bei der Bundesagentur für Arbeit.)