»Gesunde Mitarbeiter sind ein Garant für den Erfolg.«

Cem Altan*

Cem Altan* arbeitet beim LAGetSi, dem Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin. Im Referat Arbeitsschutz am Bau kümmert er sich um die Spezialthemen Gerüste und Absturzsicherheit.

Arbeitsschutz am Bau klingt nach einer verantwortungsvollen Tätigkeit. Wie können Sie für Sicherheit auf Berlins Baustellen sorgen?

Im Baugewerbe ist das Risiko für einen tödlichen Arbeitsunfall viel größer als in allen übrigen Branchen. Das hat viele Gründe: Auf einer Baustelle ändert sich ständig alles. Wo morgens noch eine Abdeckung war, ist am Nachmittag ein offener tiefer Schacht. Auch wenn die Last noch so schwer ist, muss man als Bauarbeiter extrem umsichtig sein. Ein falscher Tritt kann ein Schritt in den Tod sein. Daher ist der Arbeitgeber verpflichtet, alle Gefahren für seine Beschäftigten zu vermeiden, am Bau zum Beispiel durch geeignete Gerüste und wirksame Absturzsicherungen. Außerdem indem er richtige Kleidung, Helme, Schuhwerk und persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellt und die Beschäftigten einweist. Wenn das Zusammenspiel der vielen Gewerke richtig geplant und der Ablauf koordiniert wird, ist schon viel gewonnen.

Sie haben an der Beuth-Hochschule ein Ingenieursstudium abgeschlossen. Wie haben Sie zum LAGetSi gefunden?

Ich war immer schon ein Sicherheits-Fanatiker und habe im Studium untersucht, wie man technische Verfahren sicherer gestalten kann. Bei meinen ersten Praxiserfahrungen habe ich festgestellt, dass häufig der Faktor Mensch verantwortlich dafür ist, dass eine an sich sichere Technik Unfälle nicht verhindern kann. Von da an wollte ich gern die Organisation, den Betrieb beeinflussen, damit Arbeitsabläufe sicherer werden. Und so bin ich beim LAGetSi gelandet. Denn dort wird immer auf den Betrieb eingewirkt, damit Sicherheit systemisch hergestellt wird.

Wie verläuft Ihr beruflicher Weg beim Landesamt?

Nach meinem Einstieg wurde ich als Arbeitsschutzaufsichtsbeamter ausgebildet und bin derzeit noch in der Probezeit. Ich bin jetzt fast vier Jahre dabei. Nächstes Jahr steht meine Verbeamtung auf Lebenszeit an. Denn wenn das LAGetSi Verwaltungsmaßnahmen anordnet – auf der Baustelle zum Beispiel: temporäre Betriebsstillegungen – dann dürfen nur Beamte solche hoheitlichen Eingriffe in Grundrechte vornehmen.

Wie muss man sich die Ausbildung vorstellen?

Während der Ausbildung kommt man an viele Stationen im LAGetSi: Wir genehmigen Kraftwerke, überprüfen Spielzeug im Handel, checken die Energieeffizienz von Waschmaschinen, prüfen die Strahlenbelastung von Röntgenassistenten, überwachen den Schutz von Beschäftigten im Umgang mit Chemie, vermeiden Hauterkrankungen von Friseuren, sind für den Mutterschutz und für Kinderarbeit zuständig. Bei uns geht es also immer um Sicherheit und Gesundheit für Berlin – bei der Arbeit und danach.

Was ist das besondere an der Tätigkeit in der Berliner Verwaltung? Wie „gestalten“ Sie Berlin?

Berlin ist eine atemberaubende Metropole. Hier gibt es die vielfältigsten Jobs, hier entwickeln sich auch die Arbeitsplätze von morgen. Klar, dass Jungunternehmer und Existenzgründerinnen sich erst mal um die Gesundheit der Beschäftigten gar nicht kümmern. Am Anfang machen alle begeistert mit, und Mitarbeiter arbeiten unter Selbstausbeutung bis zur Erschöpfung. Aber nur gesunde Mitarbeiter sind ein Garant für den nachhaltigen Erfolg. Hier konnte ich schon auf Start-ups einwirken und Gutes tun. Vor allem aber: In Berlin wird gebaut, was das Zeug hält. Ganze Quartiere entwickeln sich weiter und nach einiger Zeit ist die Gegend nicht wieder zu erkennen. Ohne meine Mitarbeit wäre manches Bauvorhaben später fertig geworden, und es hätte vermutlich den einen oder anderen toten Bauarbeiter gegeben. Jedes Mal, wenn ich durch Berlin fahre, weiß ich: in puncto Baustellensicherheit habe ich Berlin ein Stück weit mitgestaltet.

Haben Sie schon an einen Aufstieg gedacht?

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Stelle. Ich sitze jeden Tag in Baustellenbesprechungen und führe gut in Projekten. Ich würde daher später gern eine Führungsaufgabe übernehmen. Im LAGetSi ist das Alter meiner Kollegen sehr hoch. Ich habe sehr gute Beurteilungen und rechne mir durchaus Chancen auf eine Leitungsposition aus. Mal sehen, wo ich in fünf Jahren bin – ich bin jedenfalls offen für neue Herausforderungen.

Und wie sieht es mit Ihrer beruflichen Entwicklung aus?

Ich glaube, wenn man ein Interesse daran hat, sich beruflich weiterzuentwickeln, dann findet man immer Möglichkeiten. Vieles wird ja über die Verwaltungsakademie angeboten, und wir haben Fortbildungsprogramme im Amt. Ich möchte demnächst eine Qualifizierung mitmachen, in der es um Führungsqualitäten und betriebliches Management geht.

Spielt Ihr Migrationshintergrund eine Rolle im Arbeitsalltag? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Das würde ich nicht sagen. Oder wenn er eine Rolle spielt, dann keine große. Natürlich fragen Leute manchmal nach meiner Herkunft – dann lache ich immer und sage: ,Ich bin ein Berliner.’ Und wenn Sie dann nicht mitlachen, präzisiere ich: ,Mit türkischen Wurzeln.’ Auf der Baustelle hilft es sogar manchmal, wenn ich dem Polier und der Mannschaft direkt sagen kann, was zu tun ist und warum. Manchmal werde ich auch gebeten, türkische Texte zu übersetzen oder in Gesprächen zu vermitteln. Da ist meine Zweisprachigkeit dann eine Zusatz-Kompetenz, die ich aus meinem Elternhaus mitbringe und für meine Arbeit gut einsetzen kann.